Für Mieter: was dir wirklich zusteht und wie du dich richtig verhältst
Deine Rechte als Mieter sind stärker, als viele denken. Aber du musst sie kennen und ruhig einfordern. Diese Seite zeigt dir beides.
Das Besondere hier: Die Sicht kommt von der anderen Seite. Christian Gottschling ist Vermieter und Verwalter in Essen. Sein Team betreut rund 4.000 Wohneinheiten.
Er weiß, welche Mail in einer Verwaltung liegen bleibt. Und welche sofort bearbeitet wird.
Diese Seite ist keine Rechtsberatung. Bei Streit hilft dir ein Mieterverein.
Wohnung finden: wie du dich von hunderten Bewerbern abhebst
In vielen Städten kommen auf eine Wohnung hunderte Bewerbungen. Der Vermieter liest sie nicht alle. Er sortiert.
Oft entscheidet nicht das höchste Einkommen. Es entscheidet, wer am wenigsten Arbeit macht.
Was Verwalter wirklich sehen wollen
- Eine kurze, klare Nachricht. Drei Sätze reichen: Wer bist du, wie viele Personen, ab wann?
- Vollständige Unterlagen als eine einzige Datei, sauber benannt.
- Eine Telefonnummer, unter der du auch drangehst.
- Pünktlichkeit beim Besichtigungstermin.
- Freundlichkeit gegenüber allen, auch dem Hausmeister.
Eine unklare Anfrage bekommt selten eine Antwort. Wer nicht sagt, was er sucht, dem kann niemand helfen.
Bei der Besichtigung
Komm pünktlich und ohne zehn Begleiter. Stell zwei bis drei echte Fragen. Frag ruhig, warum der Vormieter auszieht. Die Antwort sagt dir viel über das Haus.
Sei ehrlich bei deinen Angaben. Ein aufgeblasenes Einkommen fliegt beim Nachweis auf.
Du musst aber nicht alles beantworten. Fragen zu Kinderwunsch, Krankheit, Religion oder Partei gehen niemanden etwas an.
Die Wohnungsübergabe und das Protokoll
Die Übergabe ist der wichtigste Termin für dich. Beim Einzug und beim Auszug.
Ohne Protokoll steht später deine Aussage gegen die des Vermieters. Mit Protokoll steht dort einfach die Wahrheit.
So machst du es richtig
- Bestehe auf einem Protokoll. Ein guter Vermieter bringt es von selbst mit.
- Trag jeden Mangel ein, auch kleine Kratzer und Flecken.
- Notiert gemeinsam alle Zählerstände und das Datum.
- Fotografiere jeden Raum mit dem Handy. Mach dazu ein kurzes Video.
- Schreib auf, wie viele Schlüssel du bekommst.
- Unterschreibt beide und nimm eine Kopie mit.
Mach das auch, wenn alles nett wirkt. Menschen wechseln, Firmen wechseln. Dein Protokoll bleibt.
Schimmel: was du tun musst und was der Vermieter muss
Schimmel ist das häufigste Streitthema. Beide Seiten haben Pflichten. Deshalb hier fair beides.
Deine Seite
Menschen geben nachts bis zu drei Liter Wasser an die Luft ab. Dazu kommen Duschen, Kochen und Wäschetrocknen. Diese Feuchte muss raus.
- Lüfte mehrmals am Tag kurz und mit weit geöffnetem Fenster.
- Ein gekipptes Fenster kühlt die Wände nur aus.
- Heize auch wenig genutzte Räume ein wenig.
- Stell Möbel nicht dicht an kalte Außenwände.
- Trockne Wäsche möglichst nicht in der Wohnung.
Ein Hygrometer kostet ab zehn Euro. Es zeigt dir die Luftfeuchte sofort. Damit siehst du selbst, ob dein Lüften reicht.
Die Seite des Vermieters
Nicht jeder Schimmel kommt vom Lüften. Es gibt bauliche Ursachen: kalte Stellen in der Wand, undichte Fenster, Feuchte von außen.
Als Faustregel gilt: Schimmel auf der Tapete deutet eher auf das Lüften hin. Schimmel dahinter spricht eher für den Bau. Sicher ist das aber nur mit einer Messung.
Ist die Ursache baulich, muss der Vermieter handeln. Das ist seine Pflicht, kein Gefallen.
Was du sofort tun solltest
- Melde den Schimmel schriftlich, mit Fotos und Datum.
- Beschreib genau, wo er sitzt und seit wann.
- Schreib auf, wie du lüftest und heizt. Das nimmt dir den ersten Vorwurf.
- Notiere deine Werte vom Hygrometer über ein paar Wochen.
- Bitte um einen Termin vor Ort.
Passiert nichts, wende dich an einen Mieterverein. Zu Mietminderung sagen wir hier bewusst nichts. Wer falsch mindert, riskiert eine Kündigung. Lass dich vorher beraten.
Checkliste für deine Wohnungsübergabe
- Termin bei Tageslicht vereinbart
- Protokoll dabei, ausgedruckt oder digital
- Alle Zählerstände notiert: Strom, Gas, Wasser, Heizung
- Jeder Mangel eingetragen, auch der kleine Kratzer
- Fenster, Türen und Rollos ausprobiert
- Heizung in jedem Raum kurz getestet
- Bad auf Fugen, Silikon und Feuchte angeschaut
- Steckdosen und Licht geprüft
- Keller, Dachboden und Stellplatz angesehen
- Anzahl der Schlüssel aufgeschrieben
- Fotos von jedem Raum gemacht
- Kurzes Video vom Rundgang gedreht
- Protokoll von beiden Seiten unterschrieben
- Kopie für dich mitgenommen und sicher abgelegt
Schönheitsreparaturen: der alte Streitpunkt
Viele Mietverträge enthalten Klauseln zu Schönheitsreparaturen. Nicht jede davon hält.
Starre Fristen zum Renovieren hat der Bundesgerichtshof schon 2015 gekippt. Ein Urteil aus dem Jahr 2020 dreht sich um Wohnungen, die unrenoviert übergeben wurden. Dort kann eine Teilung der Kosten zwischen beiden Seiten in Frage kommen.
Was das für dich bedeutet, hängt vom Wortlaut ab. Dein Übergabeprotokoll beweist, in welchem Zustand du eingezogen bist.
Bevor du beim Auszug streichst oder Geld zahlst, lass die Klausel prüfen. Ein Mieterverein macht das schnell und günstig. Diese Prüfung spart oft mehrere hundert Euro.
Nebenkostenabrechnung prüfen
Viele Abrechnungen enthalten Fehler. Meist aus Hektik, nicht aus Absicht. Prüfen lohnt sich fast immer.
So gehst du vor
- Schau auf das Datum. Für die Abrechnung gelten Fristen. Kommt sie sehr spät, frag nach.
- Vergleiche den Verteilerschlüssel mit deinem Mietvertrag. Wohnfläche oder Personenzahl?
- Prüfe deinen Anteil an der Gesamtfläche. Stimmt deine Quadratmeterzahl?
- Vergleiche mit dem Vorjahr. Springt eine Position stark, frag genau danach.
- Prüfe, ob Posten dabei sind, die nicht umgelegt werden dürfen. Verwaltungskosten und Reparaturen gehören meist nicht dazu.
- Prüfe deine Zählerstände gegen dein Protokoll.
Du darfst die Belege einsehen. Frag freundlich und schriftlich danach.
Bist du unsicher, prüft ein Mieterverein die Abrechnung für dich. Die Regeln sind je nach Vertrag und Ort verschieden.
Wie du mit deiner Verwaltung redest, damit etwas passiert
Das erklärt fast niemand. Dabei entscheidet es über dein Wohngefühl.
Eine Verwaltung bearbeitet sehr viele Anliegen am Tag. Christian bekam einmal eine Sprachnachricht von 7 Minuten und 39 Sekunden. Das Anliegen blieb trotzdem unklar. Solche Nachrichten bleiben liegen.
Die Regeln, die wirklich helfen
- Schreib lieber als anzurufen. Schriftliches hat einen Nachweis.
- Halte dich kurz. Drei Sätze reichen für die meisten Anliegen.
- Ein Anliegen pro Nachricht. Nicht fünf Themen in einer Mail.
- Nenne immer Adresse, Wohnung und deine Telefonnummer.
- Schreib, was kaputt ist, seit wann, und was passieren soll.
- Häng ein Foto an. Das spart oft einen ganzen Termin.
- Setz eine freundliche Frist. Zum Beispiel: „Ich melde mich in zwei Wochen wieder.“
- Bleib sachlich, auch wenn du wütend bist. Wut verlangsamt jede Antwort.
Ein Kunde von Christian schreibt Mails mit höchstens drei Sätzen. Trotzdem sind alle Fragen beantwortet. Genau diese Mails werden zuerst bearbeitet.
Bei Gefahr gilt anderes. Wasser, Gas, Strom oder eine kalte Heizung im Winter sind Notfälle. Ruf sofort an und schreib eine kurze Mail hinterher.
Fair bleiben lohnt sich für dich
Vermieter sind keine Gegner. Die meisten haben ein oder zwei Wohnungen.
Wer Schäden früh meldet, bekommt schneller Hilfe. Wer ruhig bleibt, bekommt eher eine Lösung als ein Nein. Umgekehrt musst du dir nichts gefallen lassen. Deine Rechte als Mieter sind kein Gnadenakt.
Du willst wissen, wie die andere Seite denkt? Dann lies die Seite für Vermieter und den Bereich Vermieten und verwalten. Du überlegst, selbst zu kaufen? Dann hilft dir die Seite für Käufer und Kapitalanleger und der Bereich Immobilie kaufen. Du suchst nur für ein paar Monate eine möblierte Wohnung? Dann lohnt sich der Bereich Kurzzeitvermietung und Airbnb.
Folgen für dich
Hier findest du die Folgen, die auch für Mieter wichtig sind. Es geht um Schimmel, Übergabe, Schönheitsreparaturen und den Alltag im Haus. Alle weiteren Folgen findest du im Folgen-Archiv.
Hör rein und rede mit
Abonniere den Podcast dort, wo du sowieso hörst. Bei Spotify, bei Apple Podcasts oder auf YouTube. Mehr zum Host steht auf der Seite Über Christian Gottschling.
Du arbeitest beruflich in diesem Bereich? Dann komm als Gast. Auch Mietervereine, Sachverständige und Anwältinnen sind hier willkommen. Es kostet nichts, und einkaufen kann sich niemand. Hier geht es zur Bewerbung als Podcast-Gast.
Häufige Fragen von Mietern
Wie hebe ich mich bei einer Besichtigung von anderen ab?
Mit einer kurzen Nachricht und vollständigen Unterlagen in einer Datei. Komm pünktlich und geh ans Telefon.
Welche Fragen muss ich bei einer Besichtigung nicht beantworten?
Fragen zu Kinderwunsch, Krankheit, Religion oder Partei gehen niemanden etwas an. Angaben zu Einkommen und Beruf sind dagegen üblich. Bleib bei dem, was du sagst, ehrlich.
Brauche ich wirklich ein Übergabeprotokoll?
Ja. Es ist dein wichtigster Nachweis beim Einzug und beim Auszug. Trag jeden Mangel ein, notiere die Zählerstände und nimm eine Kopie mit.
Wer muss den Schimmel beseitigen?
Das hängt von der Ursache ab. Liegt es am Lüften und Heizen, bist du gefragt. Ist die Ursache baulich, muss der Vermieter handeln.
Muss ich beim Auszug renovieren?
Das hängt von deinem Vertrag ab. Starre Renovierungsfristen wurden von der Rechtsprechung gekippt. Bei unrenoviert übergebenen Wohnungen kann eine Teilung der Kosten in Frage kommen. Lass die Klausel vorher prüfen.
Wie prüfe ich meine Nebenkostenabrechnung?
Vergleiche Verteilerschlüssel und Fläche mit deinem Mietvertrag. Schau auf Fristen und auf große Sprünge zum Vorjahr. Du darfst die Belege einsehen. Bei Zweifeln hilft ein Mieterverein.
Meine Verwaltung antwortet nicht. Was tue ich?
Schreib kurz und sachlich, mit einem Anliegen pro Nachricht. Nenne Adresse, Wohnung und Telefonnummer und häng ein Foto an. Dann hak einmal nach.
Christian ist hauptberuflich Makler und Hausverwalter in Essen. Das findest du auf essenmakler.de.

